ELTERN-AG in der Presse 2011

Wenn Eltern Hilfe brauchen - Erziehung: Psychologe präsentiert Schulungskonzept für sozial benachteiligte Familien - Bedarf in Aschaffenburg gegeben

Main-Netz Online vom 10.06.2011

Autorin: Cornelia Müller 

Aschaffenburg. Bietet die ELTERN-AG konkrete Hilfe – oder ist das Konzept nur ein weiteres unter vielen? Und gibt es in Aschaffenburg überhaupt Bedarf an einem Programm, das Familien in schwierigen Lebenslagen langfristig begleiten und bei Erziehungsproblemen helfen soll? 

Mit diesen Fragen befassten sich am Mittwochabend 50 Fachbesucher aus Aschaffenburger Betreuungseinrichtungen und Beratungsstellen für Kinder und Eltern, die in den Saal des Marienstifts gekommen waren, wo der Psychologe Meinrad Armbruster das von ihm entwickelte Konzept »ELTERN-AG« vorstellte. Armbruster ist Professor an der Hochschule Magdeburg und Geschäftsführer der Magdeburger Akademie für praxisorientierte Psychologie (MAPP), seinen Vortrag hatte Aschaffenburgs Jugendamtsleiter Michael Sommer initiiert. Gemeinsam mit Janet Thiemann, die bei MAPP die Geschäfte führt, warb Armbruster für das seit 2004 angewandte und wissenschaftlich überprüfte Konzept. Die Arbeit in der ELTERN-AG sei präventiv angelegt und brauche Zeit, betonte Janet Thiemann. Daher solle niemand schnelle Erfolge erwarten: »Die erste ELTERN-AG wird total mühsam sein.« 

Finanzierung noch ungewiss

Dass in Aschaffenburg Bedarf bestehe, sozial benachteiligte Eltern in Erziehungsfragen zu schulen und selbstbewusster zu machen, belegte Bürgermeister Werner Elsässer mit Zahlen: 1400 Kinder unter 14 Jahren leben im Stadtgebiet in Familien, die Hartz-IV beziehen. 40 Prozent der Kita-Kinder haben einen Migrationshintergrund. Das Empowerment-Konzept der Magdeburger, die mittlerweile bundesweit Schulungen anbieten, klingt einfach: Sogenannte Mentoren, beispielsweise Pädagogen, Erzieher oder Familienberater, vermitteln in 20 wöchentlichen Gruppentreffen den Müttern und Vätern Grundwissen der Erziehung und im Umgang mit ihren Kindern. Armbruster zufolge entdecken die Teilnehmer dabei oftmals, dass sie bereits viel mehr können als sie glauben.  Zielgruppe sind laut Armbruster sogenannte Multi-Problem-Familien, auf die mindestens ein Kriterium wie fehlender Schulabschluss, Migrationshintergrund, Arbeitslosigkeit, chronische Gesundheitsprobleme, Alleinerziehendenstatus oder minderjährige Eltern zutrifft. Seit 2004 habe die ELTERN-AG mit 90 Mentoren knapp 700 Eltern und 1700 Kinder erreicht. 

Ob und wie sich die Idee in Aschaffenburg umsetzen lässt, hängt von zwei Faktoren ab: Zum einen vom Interesse der pädagogischen Fachkräfte von Trägern wie Wohlfahrtsverbänden, Kindertagesstätten oder Beratungsstellen, sich berufsbegleitend in neun bis zwölf Monaten zu Mentoren ausbilden zu lassen. Zum anderen von einer geregelten Finanzierung, die mindestens auf fünf Jahre gesichert sein sollte. Die Kosten für die ELTERN-AG liegen laut Thiemann bei knapp 6500 Euro, die Mentorenausbildung bei einmalig maximal 2000 Euro pro Person. Jugendamtsleiter Sommer sagte nach dem zweistündigen Vortrag: »Ich bin überzeugt von diesem Konzept.« Er hoffe, dass »wir hier Mentoren finden können. Und dann ist es wohl meine Aufgabe, das Geld dafür zu beschaffen.«

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