ELTERN-AG in der Presse 2004 bis 2010

Nur für Erwachsene – Immer mehr Bildungskurse für Eltern zur Kindererziehung

Tip Berlin Online vom 20.04.2010

Immer mehr Bildungskurse für Eltern zur Kindererziehung

Die Elternerziehung boomt. Ob Kleinkind oder Pubertierender – noch nie gab es so viele Bildungskurse zum Thema Kindererziehung wie heute. Neuerdings werben sogar Edutainment-Shows für ein besseres Verhältnis von Eltern und Kindern.

"Gib mir sofort den Roller!" "Nein, den habe ich doch gerade." "Gib ihn endlich her – sonst hole ich ihn mir." "Mama!!! Ben hat mir den Roller weggenommen." "MAMA! Lena hat mich gebissen ..." Wenn sich Geschwister streiten, haben Eltern ein Problem. Mischen sie sich ein oder lassen sie die beiden Streithähne den Konflikt selbst lösen? Beides hat Vor- und Nachteile. Eine Standardlösung gibt es nicht. "Die Verunsicherung bei Eltern ist riesig", weiß Christian Schoenfelder, Erziehungsberater vom Arbeitskreis Neue Erziehung (ANE).

Seit etwa zehn Jahren seien Eltern zunehmend rat- und hilflos, was die Erziehung ihrer Kinder angeht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Tatsächlich wurde Bildung in den letzten Jahren immer mehr zum Thema in der Politik und in den Medien. Eine Flut von Erziehungsratgebern bescheren den Buchhändlern wachsende Gewinne. Und immer mehr Elternkurse werben um besorgte Mütter und Väter. Der Markt ist unübersichtlich. Und er wächst von Jahr zu Jahr.

Ein Markt mit Zukunft. Schon heute braucht man mindestens ein Studium in Erziehungswissenschaften oder besser noch in Psychologie, um die unterschiedlichen Programme beurteilen zu können. Sie heißen Gordon- Familientraining, Triple P, ELTERN-AG, SAFE, Fast oder Step, positionieren sich für "Starke Eltern – Starke Kinder", wollen "Kess-erziehen" und vergeben Elternführerscheine. Allen gemeinsam ist, für Verständnis unter den Generationen zu werben und Methoden des Konfliktmanagements zu vermitteln. Nur die Wege und Ansätze dahin unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Manche Programme haben vor allem Eltern von Kleinkindern im Fokus wie etwa PEKiP (Prager Eltern-Kind-Programm) oder Hippy (Home lnstruction Program for Preschool Youngsters), zur Förderung von vier- und fünfjährigen Kindern aus Migrantenfamilien. Während andere Programme wie KES (Kompetenztraining für Eltern sozial auffälliger Kinder und Jugendlicher) vor allem die Erziehungsberechtigten von halbstarken Pubertisten im Visier hat.

Aber es geht auch ganz anders. Neuerdings boomen vor allem sogenannte niedrigschwellige Angebote. Wer keine Lust hat, seine Abende in Volkshochschulen zu verbringen oder sich an Wochenenden in Seminaren Flipcharts und PowerPointPräsentationen anzusehen, kann sich auch viermal im Jahr an einem Samstagnachmittag im FEZ unterhalten und beraten lassen. Die Elternakademie in der Wuhlheide setzt auf Edutainment, eine Mischung aus Education und Entertainment. Und über 200 Mütter und Väter kommen jeweils zu den rund zwei Stunden dauernden Veranstaltungen. Ob Schulprobleme, Patchworkfamilien oder Grenzen setzen – kein Thema ist zu kompliziert, um es nicht kurzweilig und amüsant auf die Bühne bringen zu können. Fachreferenten liefern die jeweiligen Hintergrundinformationen, das Berliner Improvisationstheater "Die Gorillas" spielt entsprechend typische Szenen aus dem Familienalltag und der Radio-Eins-Moderator Stefan Rupp führt durch die Elternerziehung-Show.

Ein Stammpublikum hat sich noch nicht herausgebildet. "Es ist immer sehr unterschiedlich, so saßen beim Thema Alleinerziehende zum Beispiel fast nur Frauen im Publikum", so Marion Gusella vom FEZ. Vor allem das Bildungspublikum findet den Weg in die Elternakademie und nutzt das anschließende Elterncafé zum Austausch. Gusella: "Hier haben die Eltern vor allem die Möglichkeit, andere Eltern kennen zu lernen, die auch nicht so perfekt sind." Ob sie die Erziehungstipps auch in die Praxis umsetzen, weiß sie ebenso wenig wie Christian Schoenfelder, der als Erziehungsberater vom ANE regelmäßig die Astrid-Lindgren-Bühne im FEZ betritt. "Uns ist wichtig, nicht zu belehren – die Eltern sollen schließlich etwas von den Veranstaltungen mitnehmen." Und das können auch Kontakte sein. Zum Beispiel zu Eltern gleichaltriger Kinder, die man anrufen kann, wenn Ben und Lena sich wieder mal über etwas streiten.

Text: Britta Geithe

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