ELTERN-AG in der Presse 2004 bis 2010

Neue Familienprojekte der NORDMETALL-Stiftung - "Dazulernen ist keine Schande"

Nordmetall-Magazin "Standpunkte" Ausgabe 05/2010 vom 01.05.2010

Im Mai 2010 berichtet Standpunkte, das Branchenmagazin der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie (NORDMETALL), über die ELTERN-AG:

Neue Familienprojekte der NORDMETALL-Stiftung – „Dazulernen ist keine Schande“

Herkunft entscheidet über Zukunft. Das belegen viele Sozialstudien. Und wer sozial benachteiligt aufwächst, hat häufig schlechte Karten. Je früher im Leben dieser Kreislauf durchbrochen wird, umso besser. Es gilt also, Kindern zu helfen, indem man Eltern hilft.
Die NORDMETALL-Stiftung fördert jetzt zwei neue Projekte, die genau das tun.

HERR H. AUS MAGDEBURG ist Vater von zwölf Kindern zwischen vier und 23 Jahren und Großvater einer sieben Jahre alten Enkelin. Er macht keinen Hehl aus seiner kritischen Distanz zu jedem, der nicht aus seiner Lebenswelt stammt: „Was soll ich mir von anderen sagen lassen, wie ich mein Leben und das meiner Kinder zu organisieren habe?“ Beim Unterhalt seiner Großfamilie ist H. seit Jahren auf die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinschaft, sprich: auf Hartz IV angewiesen – in Sachen Kindererziehung war er sich jedoch stets sicher: Hilfe brauchen wir nicht. Herr H. sieht das heute anders.
Herr H. ist Teilnehmer des Programms „ELTERN-AG“. Von einer Mentorin des Programms wurden er und seine Frau angesprochen und zu einem Kennenlern-Treffen mit anderen Eltern aus der Nachbarschaft eingeladen: „Das war ganz ungezwungen am Anfang, alles nur Leute aus unserem Wohnviertel mit denselben Lebensbedingungen. Da konnte man schon ohne Bedenken alles offen aussprechen.“ Seit 2004 werden bei dem Programm „ELTERN-AG“, das von Prof. Dr. Meinrad Armbruster in Magdeburg begründet wurde und jetzt nach Norddeutschland kommt, Mentoren ausgebildet. Diese vermitteln in den Elterngruppen Grundlagen der Kindererziehung, Methoden zur Stressbewältigung und ermöglichen den Teilnehmern einen direkten Austausch mit anderen Eltern und die Bildung von Nachbarschaftsnetzwerken.
Studien wie der OECD-Bildungsbericht, PISA, IGLU oder die Worldvision-Kinderstudie belegen: Die soziale Herkunft entscheidet über die persönliche Zukunft eines jeden Menschen. Und die Entwicklung ist alarmierend: In Hamburg beispielsweise lebt bereits ein Viertel aller Kinder in Haushalten unterhalb der Armutsgrenze. Da soziale Benachteiligung häufig an die nächste Generation weitergegeben wird, ist der Weg dieser Kinder allzu oft bereits vorgezeichnet: auffälliges Sozialverhalten, schlechte Bildungsaussichten, mangelnde berufliche Qualifikation. 

DIE FEEN SIND LOTSEN DURCH DEN ALLTAG

Dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, ist erklärtes Ziel der NORDMETALL-Stiftung. Je früher die Hilfe ansetzt, umso größer ist die Aussicht auf Erfolg – und umso größer ist auch der Gewinn für die Kinder, die Eltern und die gesamte Gesellschaft. Aus der Überzeugung heraus, dass jedes Kind von Anfang an die gleichen Chancen erhalten muss, fördert die NORDMETALL-Stiftung zwei neue Projekte, die diesem Problem begegnen und die Lebenssituationen dieser Menschen verbessern sollen: zum einen die „ELTERN- AG“, zum anderen das Projekt „wellcome-Fee“. Die Programme richten sich an Eltern und junge Familien, die es aufgrund ihrer jeweiligen Situation nicht leicht haben, in der Gesellschaft Fuß zu fassen.
„Wellcome-Fee“ ist eine Aktion für Hamburgs Kinder zwischen einem und drei Jahren – und für deren Eltern, die meist in einer schwierigen sozialen Situation leben. Rose Volz-Schmidt, Geschäftsführerin und Gründerin von „wellcome-Fee“, ist es ein Anliegen, junge Familien so früh wie möglich zu unterstützen, um das gesunde Aufwachsen der Kinder zu ermöglichen: „Die wellcome-Fee versteht sich als Anwalt der Kinder und übernimmt Lotsenfunktion, sie fördert und fordert – und das punktgenau, individuell und zielführend“.
Die wellcome-Feen sind Fachkräfte mit sozialpädagogischer Ausbildung, die die Familien (oftmals alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern) zuhause besuchen und dort sehr schnell erfassen, wo Hilfe notwendig ist. Häufig leben diese Familien sehr isoliert und es fehlt am Nötigsten: ein Kinderbett, Spielzeug, Kleidung oder auch ein Hochstuhl. Gemeinsam mit den Eltern berät die Fee, welche Unterstützung sinnvoll ist, um anschließend ganz unbürokratisch zu helfen. Entweder mit Sachspenden, durch Beratungen zu gesunder Ernährung und Erziehungsfragen oder aber auch Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen – immer verbunden mit einer direkten Aufforderung zu handeln. Auf diese Weise werden die Eltern zu mehr Eigeninitiative angeregt und in ihrer Selbstbestimmung und ihrem Handeln bestärkt. Grundvoraussetzung von „wellcome-Fee“ und „ELTERN-AG“ ist Freiwilligkeit, denn von oben verordnete Hilfe können viele Teilnehmer beider Projekte nur schwer annehmen.

RAUS AUS DEM TEUFELSKREIS

Die Auslöser und Umstände, die Familien an den Rand der Gesellschaft geraten lassen, sind vielfältig: Erwerbslosigkeit oder Trennung, Migrationshintergründe, mangelnde Bildung oder ein fehlendes soziales Netz. Aus diesem Teufelskreis, in dem diese Familien stecken, lässt sich nur schwer ausbrechen. Genau hier setzen beide Projekte an. Beide gehen davon aus, dass die meisten Eltern das Beste für ihr Kind wollen – es jedoch meist aus eigener Kraft nicht schaffen. „Die entscheidenden Weichen für das Leben werden in den ersten drei Lebensjahren des Kindes gestellt. Wenn es die Gesellschaft nicht schafft, Kindern eine Lebensperspektive zu ermöglichen, ist der ökonomische und gesellschaftliche Schaden enorm hoch“, so Dr. Marc Gottschald, Geschäftsführer der NORDMETALL-Stiftung.

„Wellcome-Fee“ und „ELTERN-AG“ erweitern nun mithilfe der NORDMETALL-Stiftung ihr Angebot in Hamburg bzw. Norddeutschland. Mit dem Engagement der NORDMETALL-Stiftung bei „wellcome-Fee“ kann die Zahl der erreichten Kinder im Raum Hamburg fast verdoppelt werden. In der kommenden Zeit werden 100 Kinder durch die Feen begleitet und punktgenau gefördert. Bei „ELTERN-AG“ wurden in den vergangenen Jahren bereits die Eltern von 1.300 Kindern in Sachsen-Anhalt betreut. Nun können auch in Norddeutschland rund 250 Kinder und ihre Familien von der Arbeit der „ELTERN-AG“ und ihren Mentoren profitieren.
Herrn H. wurde übrigens bereits in der zweiten Sitzung der „ELTERN-AG“ klar, dass alle anderen ähnliche Probleme mit ihren Kindern hatten und dass es andere Möglichkeiten gibt, mit seinem Kind zu kommunizieren, als es bei jedem Fehlverhalten „stramm stehen zu lassen“. Heute sagt er: „Ich war wirklich sofort angetan vom Konzept der Elterngruppe. Denn ich habe begriffen, dass ich immer noch was dazulernen kann – und dass das keine Schande ist.“ Die „ELTERN-AG“ habe ihm geholfen zu verstehen, dass er mit Gelassenheit seine Kinder besser erreichen könne als mit einer lauten Stimme.

wellcome-Fee:
Tel.: 040 - 226 229 723
E-Mail: info@wellcome-fee.de
Internet: www.wellcome-fee.de

ELTERN-AG:
Internet: www.eltern-ag.de

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