ELTERN-AG in der Presse 2004 bis 2010

Nach dem Ende des Zivildienstes: Der neue Sozialsektor

DIE WELT Online vom 02.09.2010

DIE WELT: 02.09.10 | GASTKOMMENTAR: NACH DEM ENDE DES ZIVILDIENSTES

Der neue Sozialsektor

Von Felix Oldenburg

Wenn demnächst gemeinsam mit dem Wehrdienst auch 40 000 Zivildienstleistende verschwinden, dann sind das zwar weniger als die noch 145 000 im Jahr 1999, aber immer noch genug, um bei Sozialmanagern eine Suche nach neuen Mitteln auszulösen - die sie beim Staat nicht finden werden. Die Hoffnung der zuständigen Ministerin Schröder richtet sich auf die freiwillig Engagierten, laut Freiwilligensurvey etwa ein Drittel der Bundesbürger. Von denen sind aber leider nur wenige dort qualifiziert und verlässlich aktiv, wo die Zivis fehlen werden. Der Sozialsektor braucht Ressourcen jenseits öffentlicher Mittel und jenseits der Null-Euro-Helfer. Das reiche Deutschland hat genug von beidem.

An vielen Stellen im Sozialsektor hat die Zeit nach der Zivi-Ära freilich schon begonnen. Wie eine neue Generation sozialer Organisationen im System für Innovation sorgt, zeigt etwa die ELTERN-AG, die seit 2005 bildungsferne Eltern bei der Erziehung unterstützt und damit die Fortschreibung von Kinderarmut bekämpft. Die gemeinnützige GmbH wird in der Wachstumsphase von privaten Spendern angeschoben, klinkt sich aber in die öffentlich finanzierte Jugendhilfe vor Ort ein. Diese oft mit dem Friedensnobelpreisträger und Mikrokredit-Pionier Muhammad Yunus in Verbindung gebrachten "Sozialunternehmer" erweitern den Sozialsektor dort, wo das freiwillige Engagement nicht hinreichen wird, und sie entlasten im Erfolgsfall sogar die öffentlichen Kassen. Zwei weitere Beispiele: Das Projekt "enterprise" macht arbeitslose und behinderte Menschen tausendfach zu qualifizierten Gründern und spart der öffentlichen Hand nebenbei für jeden Euro das 2,8-Fache an Sozialausgaben. Und das violence prevention network reduziert die Rückfallquote extremistisch motivierter, jugendlicher Straftäter und beugte damit vergangenes Jahr 2,16 Millionen Euro an Kosten vor. Die genannten Beispiele finden nicht etwa in den Engagementidyllen Südwestdeutschlands, sondern in den Neuen Bundesländern statt. Dabei geht es nicht um eine Privatisierung der gesellschaftlichen Problemlösung, sondern um eine Aufgabenteilung, die auch dem unterschiedlichen Risikowillen entspricht: Private investieren Spendenmittel mit hohem Risiko in einer frühen Phase, und was sich bewährt, kann dann gemeinsam finanziert von Ministerien und großen Wohlfahrtsorganisationen in die Fläche gebracht werden.

Der alte Sozialsektor der Zivildienstleistenden kommt nicht zurück. Statt sich aber in der Suche nach Lösungen wieder nur auf öffentliche Gelder oder eine wundersame Vermehrung des Freiwilligenengagements zu verlassen, brauchen wir beides: neue Organisationen besonders kreativer Bürger und neue Finanzierungen besonders wohlhabender Bürger.

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