ELTERN-AG in der Presse 2004 bis 2010

Interview mit Prof. Meinrad Armbruster in Treffpunkt Campus: "Vermitteln, was gute Eltern tun"

Treffpunkt Campus Ausgabe Dezember 2008 vom 17.12.2008

Ein weiteres Interview über die ELTERN-AG führte Prof. Meinrad Armbruster mit der Zeitschift Treffpunkt Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal:

Seit vier Jahren führt er erfolgreich das Projekt „ELTERN-AG“ in Sachsen-Anhalt und wird dafür nun mit der begehrten „Ashoka-Fellowship“ honoriert: Prof. Dr. Meinrad Armbruster verließ deshalb zum 15. November den Platz des Dekans am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen und wird sich für die nächsten drei Jahre ausschließlich der Elternarbeit widmen – von Magdeburg aus für das ganze Bundesgebiet.

Herr Armbruster, nach drei Jahren als Dekan geben Sie nun ihr Amt vorzeitig ab. Was überwiegt: das lachende oder das weinende Auge?

Das hält sich in etwa die Waage. Zuallererst ist es eine große Ehre, zum Ashoka-Fellow ernannt zu werden, statistisch ge- sehen passiert das einem von zehn Millionen Menschen. Das freut mich riesig, es ist aber auch eine große Verantwortung. Denn Ashoka investiert da richtig viel Geld und Know-How in meine Person – also: ein lachendes Auge. Andererseits habe ich auch ein weinendes Auge, da ich hier noch nicht alles geschafft habe, was ich in meiner Amtszeit erreichen wollte. Ich denke da besonders an die Reform unserer Fachbereichs- struktur. Auch wünsche ich mir mehr Familienfreundlichkeit an unserer Hochschule und gerade für unseren Fachbereich eine Steigerung der Internationalität. Aber manchmal muss man sich eben entscheiden.

Sie werden in den nächsten drei Jahren als As- hoka-Fellow arbeiten. Was steckt hinter dieser Bezeichnung und was ist Ihre Aufgabe?

Ashoka ist eine internationale Organisation, die so genannte Social Entrepreneurs unterstützt. Das sind Menschen, die eine soziale Idee wie ein Unternehmer verfolgen, mit dem Unter- schied, dass nicht der Gewinn, sondern die Effektivität der so- zialen Arbeit das Ziel ist. Dafür erhalte ich als ausgewählter Fellow in den nächsten drei Jahren eine finanzielle Unterstüt- zung, das Ashoka-Stipendium, um mich vollständig auf mein Projekt ELTERN-AG zu konzentrieren. Mein Auftrag ist, dieses in Magdeburg gestartete, dann auf Sachsen-Anhalt ausgeweitete Angebot für das gesamte Bundesgebiet zu realisieren.

Welches Ziel verfolgt die ELTERN-AG?

Die ELTERN-AG wendet sich an Angehörige so genannter bildungsferner Schichten, häufig handelt es sich um Hartz- IV-Empfänger, Migrantenfamillien oder Alleinerziehende. Unser Ziel ist es, diese Eltern zu befähigen, ihre Kinder im Alter zwischen null und sechs Jahren angemessen zu för- dern, ihnen eine sichere Bindung und intellektuelle Anreize zu geben. Dieses frühzeitige Fördern kann dem Nachwuchs Bildungs- und Berufschancen eröffnen in einem Land, in dem die soziale Benachteiligung immer noch erblich ist – sie also von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Deshalb bringen wir Eltern zusammen, die häufig aufgrund ihrer Lebensverhältnisse in eine Negativspirale geraten sind: In unseren ELTERN-AG Gruppen wollen wir den Schalter umle- gen, sie aus der Vernachlässigungs- und Vermeidungs-Falle herausholen und zeigen, es geht auch besser – z.B. nicht be- strafen, was das Kind falsch macht, sondern loben, wenn sich das Kind richtig verhält.

Als Kursleiter sind von uns ausgebildete Mentoren im Einsatz, meist Sozialpädagogen und Erzieher. Diese sprechen die El- tern direkt in ihrer Lebenswelt an, z.B. über den Kindergarten, und führen die ELTERN-AG Sitzungen vor Ort durch, also im Kiez oder im Stadtteil.

Wie sehen die bisherigen Erfolge aus und was sind Ihre Ziele für die nächsten drei Jahre?

In Sachsen-Anhalt haben wir bisher 80 Mentoren ausgebil- det, die etwa 70 ELTERN-AG Gruppen mit mehr als 700 Teil- nehmern erreicht haben – Eltern von über 1.500 Kindern. Für die deutschlandweite Umsetzung planen wir in 2009 mit sechs Schulungen, so werden in einem Ausbildungszeit- raum von bis zu zwölf Monaten rund 100 Mentoren hier in Magdeburg berufsbegleitend ausgebildet. Im Folgejahr wol- len wir dann auf 18 Schulungen erhöhen – und so soll es weitergehen. Schließlich werden pro Jahr 150.000 Kinder in Deutschland geboren, deren Eltern unser Angebot dringend brauchen. Gerade bei dieser Klientengruppe, häufig ohne fes- ten Tagesablauf, hat sich die Eltern-AG bewährt: 78 Prozent der Teilnehmer haben alle 20 Sitzungen mitgemacht.

Für unsere Schulungsprogramme wollen wir in Zukunft wei- tere Partner gewinnen, vor allem Träger sozialer Einrichtun- gen. Dafür haben wir einen Businessplan erstellt und ent- wickeln gerade eine Marketingstrategie. Ziel ist es, in zwei, drei Jahren ein soziales Unternehmen zu schaffen, das sich selbst tragen kann. Schließlich ist ein wichtiges Kriterium der Ashoka-Förderung, das Projekt auf eigene Füße zu stellen.

Viel Arbeit liegt also vor Ihnen: Müssen die Studenten nun Angst haben, Sie in den nächsten Jahren gar nicht mehr in der Lehre erleben zu können?

Natürlich werde ich mich nicht ganz vom Campus verab- schieden und hoffe, auch in Zukunft bei verschiedenen Ge- legenheiten vor Ort zu sein. So möchte ich meine Erfahrun- gen gerne durch Gastvorträge weitergeben und informieren, welche Fortschritte das Projekt macht. Dieser Kontakt ist mir sehr wichtig, schließlich will ich nach drei Jahren an die Hoch- schule zurückkehren und mein neu gewonnenes Wissen und die vielfältigen Kontakte in die Ausbildung einbringen. Das, denke ich, ist echter Profit für Studierende: ein Professor mit hochaktueller Praxiserfahrung.

Die Fragen stellte Tobias Fricke.

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