ELTERN-AG in der Presse 2004 bis 2010

Die ELTERN-AG – das Magdeburger Programm für Prävention im Elementarbereich

Gesundheit Berlin e.V. Online vom 17.02.2006

Die „ELTERN-AG“ – das Magdeburger Programm für Prävention im Elementarbereich
Meinrad M. Armbruster, Griseldis Gröninger

Ausgangslage

Das deutsche Bildungssystem schneidet im internationalen Vergleich (PISA-, IGLU-Studie, OECD-Bildungsberichte 2003, 2004) deswegen so schlecht ab, weil Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten sowie mit Migrationshintergrund im Elementar- und Primarbereich zu wenig ausgleichende Förderung erhalten. Das Merkmal der sozialen Herkunft der Kinder entscheidet maßgeblich über ihren späteren Schul- und Ausbildungserfolg. 22 Prozent der 15-Jährigen gehören zur Risikogruppe der potenziellen Schulversager. Diese Jugendlichen verfügen nur über unzureichende Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Viele von ihnen verlassen die Schule ohne qualifiziertes Zeugnis und ebenso scheitern viele anschließend in der beruflichen Ausbildung. Die negative Karriere beginnt bereits in den Kinderschuhen und bestimmt maßgeblich den weiteren Lebenslauf. Nach Meinung der Journalistin Susanne Gaschke (2001) sind wir dabei, die schwächsten zehn bis zwanzig Prozent unserer Schüler auf dem Weg in eine rundum modernisierte Gesellschaft zu verlieren. Das sei nicht weniger dramatisch als der oft beklagte Abstand unserer Forschung zur „Weltspitze“.

Ziel

Das Magdeburger Präventionsprogramm „ELTERN-AG“ möchte die Erziehungskompetenzen sozial benachteiligter Eltern, die sich den üblichen Beratungs- und Jugendhilfeangeboten verschließen, verbessern helfen. Es richtet sich an Eltern mit Kindern in der Altersspanne von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr. „ELTERN-AG“ ist ein in Deutschland neu entwickelter Empowerment-Ansatz mit den Kernelementen Wissen, Stressmanagement und soziales Lernen mit den besonderen Merkmalen Niedrigschwelligkeit, Randgruppenbezug und Vorbeugung. Ziele sind die Verbesserung der sozialen und pädagogischen elterlichen Fertigkeiten, Förderung der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung der Kinder während der ersten sieben Lebensjahre, die Verminderung von schichtspezifischen Risikofaktoren sowie die Anregung nachbarschaftlicher Elternnetzwerke. „ELTERN-AGs“ sind stadtteilbezogen beziehungsweise wohnortnah.

Das Konzept

Viele aktuelle Studien weisen nach, dass das Elternhaus die kindliche Entwicklung maßgeblich prägt. Das praxisorientierte Präventionsprogramm „ELTERN-AG“ ist speziell für randständige Eltern konzipiert worden und hebt sich durch seine eigene Methodik und die explizite Fokussierung auf die Selbstbefähigungsanteile deutlich von anderen Elternschulen ab. Kernpostulate der „ELTERN-AG“ sind: • Erziehungsfähigkeit und intuitive Früherziehungskompetenzen der Eltern, „Eltern als Experten ihrer Kinder“, • selbst regulierende kindliche Entwicklungstendenzen, „kompetente Kinder als aktive Gestalter ihrer Entwicklung“ und • Prinzip der Selbstermächtigung, „Lernen auf gleicher Augenhöhe mit den Anleitern (Mentoren)“. „ELTERN-AG“ resultiert aus den Erkenntnissen der OECD-Studien und verfolgt das Ziel einer Prävention in der frühen Phase. Neue Untersuchungen aus der Schweiz und den USA zeigen, dass Investitionen in die frühe Kindheit mit einem Faktor drei bis vier zurückfließen.

Wissenschaftliche Eckpunkte

„ELTERN-AG“ ist empirisch-wissenschaftlich ausgerichtet. Der Ansatz integriert im Besonderen die aktuellen Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Lern- und Entwicklungspsychologie und der Pädagogik in Bezug auf die Bedeutung der frühen Kindheit. Die wissenschaftlichen Prinzipien von „ELTERN-AG“ sind flankiert von der ganzheitlichen Betrachtung der Eltern-Kind-Umwelt-Konstellation sowie von einer Entwicklungs-, Ressourcen- und Klientenorientierung. Die Überprüfung der Angemessenheit des Ansatzes erfolgt anhand evidenzbasierter Kriterien und der kontinuierlichen Evaluation festgelegter Parameter. Die grundlegenden Erziehungsregeln der „ELTERN-AG“ sind aus Erkenntnissen abgeleitet, die in internationalen Studien gefunden und bestätigt wurden. Ziel der „ELTERN-AGs“ ist es, die Eltern zu befähigen, diese Leitlinien gleichermaßen situationsangemessen und authentisch umzusetzen.

„ELTERN-AG“-Mentoren verfügen in der Regel über einen akademischen Abschluss in einem sozialpädagogischen Studiengang. Sie erhalten eine berufsbegleitende neunmonatige Zusatzausbildung mit ausgedehnten Theorie- und Praxisanteilen im Schwerpunkt „Empowerment in der frühen Bildung und Erziehung“. Sie erlernen in diesem Zeitraum die spezifischen „Eltern-AG“-Anleitungs- und Moderationstechniken sowie die inhaltlichen Grundlagen, die sie befähigen, mit den besonderen Bedürfnissen ihrer sozial benachteiligten Adressaten umzugehen. Während der Praxisphase werden sie engmaschig durch Schulungsleiter und Supervisoren begleitet. Ihre Tätigkeit umfasst zehn Sitzungen in der Initial- und zehn Sitzungen in der Konsolidierungsphase. Jede Sitzung wird von zwei Mentoren geleitet (in der Regel gemischtgeschlechtlich) und gliedert sich in die Teile „Schatzkiste“ (kognitiver Input, Erziehungswissen), „Bauchgefühl“ (Stressmanagement, Relax) und „mein aufregender Erziehungsalltag“ („ELTERN-AG“, selbst gesteuertes soziales Lernen in der Gruppe).

Projektunterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt

Die Landesministerien für Gesundheit und Soziales sowie Kultus in Sachsen-Anhalt unterstützen die Realisierung des Magdeburger Präventionsprogramms „ELTERN-AG“ und die Begleitforschung. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Die Finanzierung wird überdies zu einem geringeren Anteil von privaten Geldgebern getragen. Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation erfolgt direkt durch die Hochschule Magdeburg-Stendal (FH). Als Träger der Durchführung fungiert der gemeinnützige Verein MAPP e.V., ein An-Institut der Hochschule.

Gegenwärtiger Stand

Im April 2004 wurde dem Projekt „ELTERN-AG“ durch das Sozialministerium Sachsen-Anhalt grünes Licht gegeben. 13 Elternkurse (à 20 Sitzungen) mit 100 Eltern wurden im Jahr 2004 durchgeführt; hierfür wurden 26 Kursleiter/innen in einer neunmonatigen Zusatzausbildung geschult. Für ELTERN ist eine Aufstockung auf geleistete 25 Elternkurse geplant; 20 weitere Kursleiter/innen werden ausgebildet. Bis 2006 soll der „Eltern-AG“-Ansatz flächendeckend in Sachsen-Anhalt angeboten werden.

Im „ELTERN-AG“ Team arbeiten zurzeit neben dem Projektleiter fünf weitere Mitarbeiter/innen mit einem Halbtagsdeputat mit. Außerdem wird das Projekt „ELTERN-AG“ durch Honorarkräfte und Praktikant/innen unterstützt. Das Trainingsprogramm soll sich nach drei Jahren selber finanzieren. Im Forschungsbereich läuft zurzeit die Datenerhebung. Mit ersten Ergebnissen kann in Kürze gerechnet werden.

Literatur

Armbruster, M.M. (Hrsg., 2004). Das Präventionsprogramm „Eltern-AG“. Magdeburg: MAPP e.V. Gaschke, S. (2001). Die Erziehungskatastrophe. Kinder brauchen starke Eltern. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt. Link http://www.mapp-ev.org/mapp.html#elternag

Armbruster, Meinrad Matthäus
Geboren 1954
Prof. Dr. Dipl.-Psych.
Professor für Pädagogische Psychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Lehrtherapeut und Supervisor,
1.Vorsitzender der Magdeburger Akademie für Praxisorientierte Psychologie e.V. (MAPP)

Publikationen:

• Armbruster, M. M. [2004]: Kritische Überlegungen zur Männerforschung in der Sozialen Arbeit. In: Matthies, A.-L./Mingerzahn, F. & Armbruster, M. M. (Hrsg.): Weiblichkeit und Männlichkeit in der sozialen Arbeit. Magdeburg: Magdeburger Reihe • Armbruster, M.M./Bartels, V. [2004]: Kooperation der verschiedenen Dienste bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexuellem Missbrauch. In: Deegener, G./Körner, W. (Hrsg.): Kindesmisshandlung und Vernachlässigung – ein Lehrbuch. Göttingen: Hogrefe

Kontakt:

Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), Breitscheidstr. 2, 39114 Magdeburg
Mail: meinrad.armbruster@sgw.hs-magdeburg.de
http://www.mapp-ev.org

Gröninger, Griseldis
Geboren 1974,
Diplom-Gesundheitswirtin

Derzeitige Institution:
Magdeburger Akademie für Praxisorientierte Psychologie e.V. (MAPP e.V.)
Beruflicher Werdegang:
- Ausbildung zur Augenoptikergesellin
- Tätigkeit als Augenoptikergesellin
- Studium Gesundheitsförderung/ -management
- Geschäftsführende Assistentin MAPP e.V.
- Koordinatorin des Präventionsprojektes „ELTERN-AG“
Derzeitige Tätigkeit:
Koordinatorin des Präventionsprojektes „ELTERN-AG“, Programm zur nachhaltigen Steigerung der Erziehungskompetenzen sozial benachteiligter und bildungsferner Eltern
- Organisation, Gestaltung, Durchführung der Mentorenausbildung
- Kontaktpflege mit Partnern, Zuwendungsgebern, Akteuren des Projektes
- Öffentlichkeits-/Vernetzungsarbeit
- Sitzungsvorbereitung, -durchführung, -nachbereitung - Sicherstellung der Kommunikationsprozesse
- Verwaltung Fördermittelverwendung, Berichtwesen

Veröffentlichung:

Gröninger, G. [2004]: „Mobilé Familie“ – Wir bringen Bewegung ins Leben!“ Bildungsmodul zur nachhaltigen Förderung des Bewegungsverhaltens in Familien. DRK Landesverband Sachsen-Anhalt, Halle

Kontakt:

Projekt „ELTERN-AG“
- Koordination -
c/o Hochschule Magdeburg-Stendal Breitscheidstr. 2
39114 Magdeburg Telefon: 0391/ 8864-612
Fax: 0391/ 8864-293
E-Mail: g.groeninger@eltern-ag.de

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