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Tag der guten Tat – weil selbst ein Flügelschlag Veränderungen bewirken kann

vom 24.09.2018

Ich sitze am Frühstückstisch, checke wie jeden Morgen Nachrichten auf meinem Handy und schaue, was in der Welt so passiert ist. Krippenkinder verteilen Blumengrüße, Schüler*innen sammeln Pfand und spenden diesen, Chor singt für ältere Mitbürger*innen, Blutspendenaktion, Freundschaftslauf in Melle – ich werde von guten Nachrichten überhäuft.

Woran das liegt? Es ist der 8. September und damit der Tag der guten Tat. Was das ist? Auf der Internetseite steht Folgendes: „,Sei selbst die Veränderung, die du dir von der Welt wünschst’, hat Gandhi mal gesagt. Wir laden alle ein, gemeinsam mit uns am 8. September eines jeden Jahres die Welt zu verbessern.“ Ich rufe den Ideengeber George Trenkler an. Er erzählt mir, dass er etwas verändern wollte. Er suchte sich Mitstreiter*innen und gründete einen Verein. Mit geballter Man- und Woman-Power gibt es mittlerweile sogar eine ganze Aktionswoche vom Samstag vor dem 8. September bis zum Sonntag danach. „Und wissen Sie was?“, sagt er zu mir, „wir können doch alle gute Nachrichten vertragen, oder?“ Bei diesen sehr treffenden Worten muss ich während unseres Telefonats kurz innehalten. Ohne zu wissen, wie, sage ich ihm, dass ich auf jeden Fall bei dieser tollen Idee mitwirken möchte und am Tag der guten Tat im kommenden Jahr teilnehme.

Gute Taten beginnen bereits bei einem Lächeln, Aufmuntern einer lieben Kollegin oder einem Türaufhalten. Auch größere Aktionen oder Projekte gehören dazu. So zählten in den vergangenen Jahren eine Lesung für Flüchtlinge, Waffelbacken, die Befreiung des Schulwegs und -hofs von Plastik, Bücherspenden, Torwandschießen, Blumengrüße an Passanten in unterschiedlichen Städten dazu. Sogar in der Crompton House School in England kam die Idee an und so wurde dort ein „Jeans for Jeans-Day“ initiiert, bei dem alle Schüler*innen, die nicht in Uniform zur Schule kamen, ein britisches Pfund in eine Spendenkasse gaben.

Wir alle wissen, ein Jahr geht schnell vorbei. Vor einigen Wochen war meine Kollegin zu einer ELTERN-AG Pat*innenschulung in Melle. Sie bringt mir einen Flyer vom Tag der guten Tat mit, den sie von einer Mama einer ELTERN-AG Gruppe bekommen hat. Ich erinnere mich an das Telefonat mit Herr Trenkler und begebe mich auf die Suche nach einer guten Tat. Da muss ich zuerst an unsere Eltern und Kinder aus der ELTERN-AG denken, denn sie haben definitiv eine gute Tat oder eine Überraschung verdient. Zur Mittagspause gehe ich ein bisschen an die frische Luft. Das soll angeblich die Kreativität fördern J. In diesem Moment fährt ein blauer Bus an mir vorbei. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt, denn dies ist die Fahrbibliothek. Auch in meiner Grundschule habe ich sie damals kennengelernt und war danach oft in der Bibliothek. Ein Besuch in der Bibliothek – das könnte doch auch Familien gefallen! Gedacht, getan.

Ich melde mich bei der Stadtbibliothek in Magdeburg und freue mich, weil mein Gedanke auf Interesse stößt. In einer ELTERN-AG in der Nähe sprechen meine Kolleginnen die Mütter und Väter an und auch sie sind etwas aus dem Häuschen und freuen sich über die Möglichkeit eines Bibliotheksbesuches.

In der Aktionswoche, am 6. September, schnappe ich mir mein Fahrrad und freue mich darauf, drei Muttis und ihre Kinder gleich vor der Stadtbibliothek zu treffen. Angekommen schaue ich auf mein Handy und sehe zwei Nachrichten. Das muss wohl höhere Gewalt sein. Zwei der Eltern können nicht kommen. Ein wenig enttäuscht warte ich vor dem Gebäude. Eine Mutter kommt auf mich zu. Ich freue mich sehr, dass sie gekommen ist und wir gehen gemeinsam hinein.

Während der Führung verfliegt mein trauriges Gefühl. Die Mutti schaut sich alles sehr interessiert an, sie stellt einige Fragen und strahlt über das ganze Gesicht. Die neugestaltete Etage, die nur für Kinder und ihre Eltern ist, wurde mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Sofort fühle ich mich willkommen und ich kann sehen, dass es der Mutter auch so geht. Am Ende bekommt sie sogar noch eine Lesestartertasche und auch für die Eltern, die sich so auf diesen Tag gefreut hatten, aber nicht kommen konnten, dürfen wir jeweils eine solche Tasche mitnehmen. „Ist das schön hier“, sagt die Mutter. „Ich hole mir einen Bibliotheksausweis und komme auf jeden Fall mit meinen Kindern wieder. Und den anderen Eltern in der ELTERN-AG müssen wir erzählen, wie toll es hier ist.“ Mein Herz geht auf und in dem Moment wird mir klar, welche unglaubliche Wirkung eine kleine gute Tat haben kann.

In der nächsten ELTERN-AG erzählt die Mutti von unserem Besuch in der Stadtbibliothek. Die anderen Eltern lassen sich von ihrer Begeisterung anstecken und jetzt planen sie einen gemeinsamen Besuch mit ihren Kindern.

Ideen und Veränderungen beginnen oft im Kleinen wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Doch auch dieser vermeintlich kleine Flügelschlag kann Großes bewirken und Wirbelstürme auslösen. Niemand weiß, welche Kettenreaktionen ausgelöst werden können und wohin die kleinsten Ideen oder guten Taten führen.

Als kleine Idee entstand der Tag der guten Tat, eine ganze Aktionswoche wurde daraus, die von Melle aus den Weg nach Magdeburg und sogar nach England gefunden hat. Eine Mutter haben wir glücklich gemacht und nun steckt sie andere Eltern mit ihrer Begeisterung für die Bibliothek, Bücher und Vorlesen an. Manchmal reicht eine Idee, eine gute Tat – und möge sie einem noch so klein vorkommen – um Veränderungen zu bewirken. Wichtig ist, dass wir immer weiter verändern wollen und niemals aufgeben, auch wenn wir das Gefühl haben, dass unsere kleinen „Flügelschläge“ nichts bewirken.

Alles, was wir tun bewirkt Veränderung – im Kleinen und Großen.

Stadtbibliothek Magdeburg
Stadtbibliothek Magdeburg2

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