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Empowerment-Ansätze zeigen Schlüsselkompetenzen für den Wandel von unten

vom 05.10.2009

„Gesellschaftliche Entwicklungen können maßgeblich durch Empowerment eingelöst und nachhaltig gesteuert werden“, lautet das Fazit der zweiten Empowerment-Fachtage, die in der Magdeburger Johanniskirche stattfanden. Empowerment wird dabei als stärkenorientierter Ansatz verstanden, der Einzelnen und Gruppen mehr gesellschaftlichen Einfluss verschaffen möchte. Fachbesucher aus dem Umfeld der Sozialen Arbeit, aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik diskutierten am 1. und 2. Oktober 2009, welche Schlüsselkompetenzen den Grad an Teilhabe und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen. Diese Fertigkeiten ermöglichen es ihnen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten.

„Es genügt nicht, von oben herab Forderungen zu stellen. Unsere Gesellschaft benötigt einen dauerhaften Wandel von unten“, erklärte Prof. Meinrad Armbruster von der Hochschule Magdeburg-Stendal. In seinem Begrüßungsvortrag stellte er die Fachtage in einen Zusammenhang mit der Woche des bürgerschaftlichen Engagements. „Dieser Wandel ist jedoch nur möglich, wenn wir erkennen, dass alle Menschen über viele positive Ressourcen verfügen, die geweckt und gekräftigt werden können“, so Armbruster. Empowerment sei ein aktivierender, mutmachender Arbeitsansatz – hin zu mehr Selbstverwirklichung, Gemeinschaft und Beteiligungsfreudigkeit.

In zehn Workshops zeigten Wissenschaftler, Praktiker und Förderer ihre unterschiedlichen Empowerment-Ansätze und -methoden. „Empowernde“ Ansätze innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit wurden ebenso vorgestellt wie Organisationen, die Empowerment-Ideen vorantreiben und finanziell unterstützen. Die Teilnehmer diskutierten Erfolgskriterien, Entwicklungspotenziale und Best Practice Beispiele.

Eine Vielzahl zeitgemäßer Empowerment-Workshops

Zeitlich begrenzte praktische Hilfen für Familien nach der Geburt werden von Wellcome gewährt. Die Gründerin der Initiative, Rose Volz-Schmidt, reagierte damit auf einen völlig neuen Bedarf, der insbesondere durch den familiären und gesellschaftlichen Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte hervorgerufen wurde. Ehrenamtliche helfen dort, wo keine Hilfe da ist. Wie gute Engel wachen sie beispielsweise über den Schlaf des Babys, während die Mutter sich ausruht, begleiten beim Gang zum Kinderarzt, spielen mit dem Geschwisterkind, machen Einkäufe - und hören zu (www.wellcome-online.de).


Eine besondere Elternschule, die empowert, bietet das Programm der ELTERN-AG. Es richtet sich an sozial benachteiligte Eltern mit Kindern von 0 bis 6 Jahren mit dem Ziel der Stärkung der Erziehungskompetenz. Mit seiner Hilfe vernetzen sich Eltern in ihrem Sozialraum und lernen die institutionellen Unterstützungsangebote kennen und nützen. Es eignet sich ganz besonders für Eltern mit negativen Erfahrungen im Schul- und Ausbildungsbereich, Migranten sowie Menschen in schwierigen Lebenslagen, die den konventionellen Angeboten eher ablehnend gegenüber stehen (www.eltern-ag.de).


iq consult berät und unterstützt junge Menschen bis 27 Jahre ohne Schulabschluss, in Langzeitarbeitslosigkeit oder mit Schwerbehinderung bei Existenzgründungen aus Hartz IV (www.iq-consult.com).


Als seriöse Variante von „spickmich.de“ bezeichnet sich der gemeinnützige Verein democaris. Der Verein arbeitet konzeptionell und praktisch an der Entwicklung und Durchführung innovativer, demokratie-pädagogischer Organisationsformen und Strukturen in allen Bildungsbereichen. Grundlage ist ein Web-basiertes Feedback von Schulentwicklungs- und Qualitätssicherungsprozessen (www.democaris.de).


Das iaf-Projekt 3-2-1-Mut! bietet in Sachsen Empowerment-Trainings für benachteiligte Jugendliche von 13 bis 18 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund. Parallel dazu werden begleitende Elternworkshops durchgeführt. Interkulturelle Teams arbeiten dabei an Schulen, in offenen Freizeittreffs, mit Jugendprojekten, Vereinen und Institutionen (www.verband-binationaler.de).


Das Team von Soziale Bildung e.V. um Dr. Ulf Gausmann hat seinen Sitz und Wirkungsschwerpunkt in Rostock. Der Verein ist Träger mehrerer Projekte im Bereich der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung mit den Themen Interkulturelle Bildung, Globalisierung, Gentechnik, Erinnerungspolitik, Rechtsextremismus, Freie Kooperation (www.soziale-bildung.org).


Hauptschüler der 8. oder 9. Klasse, die vor der großen Herausforderung Ausbildung und Beruf stehen, sind im Fokus von Power-Starter. Regelmäßig einmal pro Woche treffen sich die Teams mit den Jugendlichen, um sie in dieser wichtigen Lebensphase zu begleiten und zu unterstützen (www.power-starter.de).


Aflatoun ist ein Ansatz, der es Kindern ermöglicht, sich selbst zu organisieren und ihre eigenen Kräfte bewusst einzusetzen. Es ist ein System, das Kindern das Sparen beibringt, sodass sie ein eigenes Unternehmen gründen und somit ihr Überleben sichern können. Aflatoun-Gründerin Jeroo Billimoria hat mit ihrem Programm 450.000 Kinder in 23 Ländern erreicht; bis 2010 sollen es eine Million Kinder in 75 Ländern werden (www.aflatoun.org).


Die Vodafone Stiftung ist eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland. Das Förderprofil der Vodafone Stiftung steht unter dem Leitmotiv „Erkennen. Fördern. Bewegen.“ und umfasst die drei Bereiche Bildung, Gesundheit sowie Kunst und Kultur (www.vodafone-stiftung.de).


Ashoka ist die erste und größte internationale Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs. Seit 1980 wurden in fast 70 Ländern Frauen und Männer gefördert, die mit innovativen Konzepten gesellschaftliche Probleme lösen (www.germany.ashoka.org).



Zum Hintergrund:

Die Magdeburger Empowerment-Fachtage sind eine Initiative der Magdeburger Akademie für Praxisorientierte Psychologie (MAPP). Ziel ist es, die Einzelnen und das Gemeinwesen ebenso wie Verwaltungen und Wirtschaftsbetriebe auf das Potential des Empowerments aufmerksam zu machen und die gesellschaftlich relevanten Akteure zusammen zu bringen.


Weitere Informationen:

www.empowerment-kongress.de

Kongressbeitrag bei MDF.1, dem Magdeburger Regionalfernsehen:

www.mdf1.de/news/1_Oktober-494.html

 

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Von 2004 bis Juni 2018 haben wir mit 353 Trainer*innen 5.637 Eltern und 12.400 Kinder erreicht.