ELTERN-AG – Das Empowerment-Programm

PISA- und IGLU-Studie zeigen auf, wie erheblich der Einfluss der sozialen Herkunft der Kinder auf ihren späteren Schul- und Ausbildungserfolg sowie die psychische und physische Gesundheit ist – besonders in Deutschland. Die ELTERN-AG bekämpft diese Ungerechtigkeiten mit dem Ziel, dass alle Kinder in Deutschland von ihren Eltern liebevoll und einfühlsam auf allen Ebenen gefördert werden, sodass sie – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Bildungs- und Lebenschancen erhalten.

ELTERN-AG  ist ein praxisorientiertes Präventionsprogramm der frühen Bildung, Elternschule und Jugendhilfe. Das Angebot richtet sich an Familien in besonders belastenden Lebenslagen, die durch konventionelle Hilfsangebote nur schwer bis gar nicht erreicht werden. Prägnant für ELTERN-AG ist der niedrigschwellige und aufsuchende Charakter, die aktivierende, wertschätzende Arbeitsweise und der Empowerment-Ansatz. Sie zielt auf werdende Eltern und Familien mit Kindern bis zur Einschulung ab und ist für die teilnehmenden Eltern kostenfrei. Die ELTERN-AG Gruppen werden in Wohnortnähe durchgeführt. Eine Kinderbetreuung wird bei Bedarf angeboten.

ELTERN-AG vertritt die Auffassung, dass wenige und einfache Erziehungsgrundsätze ausreichend sind. Grundannahme ist, dass Erziehungsfähigkeiten bei nahezu allen Eltern vorhanden sind. Sie lassen sich in der Gruppe entwickeln und stärken (gemeinsames Lernen auf gleicher Augenhöhe, Empowerment-Methode). ELTERN-AG ist trotz einfach formulierter Postulate explizit wissenschaftlich ausgerichtet. Der Ansatz integriert im Besonderen die aktuellen Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Entwicklungspsychologie und der Sozialpädagogik. Das Konzept der ELTERN-AG fokussiert die Eltern-Kind-Interaktion (Bindungsverhalten), die kindliche Entwicklung bis zur Einschulung sowie lebensweltliche und sozialräumliche Bedingungen.

ELTERN-AG arbeitet mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege, die Bildungsarbeit mit jungen Familien in besonders belastenden Lebenslagen leisten wollen und zugleich ihre Mitarbeiter*innen weiterbilden möchten. Motivierte Einzelinteressent*innen mit pädagogischem Hintergrund können sich ebenfalls für eine Ausbildung bewerben. 

Für die Durchführung der Elternschulen werden Sozialarbeiter*innen/-pädagog*innen, Erzieher*innen sowie Personen, die anderweitig entsprechende Qualifikationen nachweisen können, von der MAPP-Empowerment gGmbH in einer berufsbegleitenden neun- bis zwölfmonatigen Zusatzqualifikation zu ELTERN-AG Trainer*innen („Trainer*innen für Empowerment in der frühen Bildung und Erziehung“) ausgebildet. Die MAPP-Empowerment ist anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe. 

Ablauf:

Das ELTERN-AG Programm beginnt mit einer sechs- bis zehnwöchigen Vorlaufphase, in der die Eltern in Zusammenarbeit mit Institutionen und Schlüsselpersonen (Multiplikator*innen) eines Stadtteils oder aber durch direkte Ansprache akquiriert werden. Werden mindestens zwölf Personen für die Teilnahme an einer ELTERN-AG gewonnen und Räumlichkeiten für die Gruppentreffen gefunden, so kann das erste ELTERN-AG Treffen durchgeführt werden. In den folgenden zehn Wochen der ELTERN-AG, der sogenannten Einführungsphase, werden die Eltern durch die Trainer*innen in das Programm eingeführt und mit dem Konzept vertraut gemacht. In weiteren zehn Treffen, der sogenannten Vertiefungsphase, werden die konzeptionellen Abläufe der ELTERN-AG und die bisher vermittelten Inhalte gefestigt. Die Eltern wachsen zunehmend in die eigenständige Durchführung der Treffen hinein. Im Anschluss an den 20-wöchigen Kurs treffen sich die Eltern weiterhin als selbstorganisierte und sozialräumlich vernetzte Gruppe und werden bei Bedarf von Pat*innen unterstützt. 

Die Teilnahme an der ELTERN-AG beruht immer auf Freiwilligkeit. Alle Treffen basieren auf dem ELTERN-AG Trio:
1. Mein aufregender Eltern-Alltag (Learning by doing)
2. Relax (Stressmanagement)
3. Schlaue Eltern (Wissensvermittlung)

Durch die Merkmale „Einfachheit“ und „niedrige Zugangsschwelle“ findet das Programm bei den Adressat*innen der Zielgruppe eine hohe Akzeptanz. Die Gruppen bestehen nachweislich zu 97 Prozent aus Familien in besonders belastenden Lebenslagen. 68 Prozent aller Eltern treffen sich auch zwölf Monate nach Abschluss der ELTERN-AG noch regelmäßig. Von 2004 bis Juni 2018 wurden 5.637 Eltern mit 12.400 Kindern von 353 Trainer*innen erreicht.

ELTERN-AG Pat*innenprogramm

Das ELTERN-AG Pat*innenprogramm knüpft direkt an die 20 wöchentlichen Treffen der ELTERN-AGs an. Bis zu drei Teilnehmende einer ELTERN-AG werden dafür zu Pat*innen ausgebildet und können somit die Gruppentreffen weiterhin selbstorganisiert durchführen. Dadurch entstehen strukturiert und themenfokussiert gestaltete Eltern-Communities, sodass mehr Familien dauerhaft und wirksam erreicht werden. Zur primären und direkten Zielgruppe zählen sowohl die Teilnehmenden der ELTERN-AGs als auch interessierte Mütter und Väter, die sich dem tragfähigen Selbsthilfe-Netzwerk anschließen möchten.

Die Pat*innen sind engagierte Eltern der Gruppe, die sich freiwillig zur Weiterführung der Treffen bereiterklären. Zwischen dem 15. und 18. Treffen einer ELTERN-AG lernt die Patenkoordinatorin der MAPP-Empowerment gGmbH die zukünftigen Pat*innen persönlich kennen. In einer zweistündigen Pat*innen Schulung überreicht sie den Teilnehmenden einen Methoden- und Materialkoffer und bespricht Gestaltungsmöglichkeiten der Nachfolgetreffen mit ihnen. Zusätzlich erhalten sie nach der Schulung ein Zertifikat und sind dann ganz offiziell ELTERN-AG Pat*innen.

Die Patenkoordinatorin ist direkte Ansprechpartnerin, steht regelmäßig mit den Pat*innen in Kontakt, um Fragen zu beantworten und Unterstützung zu geben und führt ebenso die Qualitätssicherung durch.

Die Treffen finden beispielsweise in den Räumlichkeiten der bisherigen ELTERN-AGs, in offenen Elterncafés, Jugendclubs oder in den Wohnungen der Teilnehmenden statt. Menschen, die sich in besonders belastenden Lebenslagen befinden, wird durch die ehrenamtliche Tätigkeit als Pat*in die Möglichkeit gegeben, sich gesellschaftlich zu engagieren und sich wieder als ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu fühlen. Die anderen Teilnehmenden werden Part eines stabilen Netzwerks, in dem sie ihre im Elternkurs erworbenen Kompetenzen intensivieren, alternative Erziehungsmethoden ausprobieren und reflektieren können. 

Das sagen unsere Pat*innen über das Programm:

„Die regelmäßigen Treffen auch nach der ELTERN-AG sind eine große Hilfe für mich. Durch meine Krankheit bin ich oft nicht motiviert aus dem Haus zu gehen. Die anderen Eltern überreden mich dann und das tut mir gut.“ (Anja, ELTERN-AG Patin aus Magdeburg)

„Die Paten-Gruppe ist für Tanja eine große Unterstützung. In der Zeit, wo sie im Krankenhaus ist, passen wir sehr häufig auf ihre Tochter auf." (Jessica, ELTERN-AG Patin aus Wilhelmshaven)

 

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News

vom 17.10.2018

Workshoptag 2018

Ein ganzer Tag vollgepackt mit geballtem Wissen, Empowerment und Raum für kollegialen Austausch - das ist das ELTERN-AG Fachforum, welches am 5. Dezember 2018 zum dritten Mal in Magdeburg stattfindet.

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vom 28.09.2018

Guten tun und Geld geben

Nach dem Motto: "Money makes the world go round” starten wir in den dritten und letzten Teil der Gutes-Tun-Trilogie. Denn auch in der Welt wohltätiger Zwecke geht es nicht ohne.

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