ELTERN-AG in der Presse 2011

Deutsche Einzelhändler runden für einen guten Zweck

Welt Online vom 12.11.2011

Autor: Carsten Dierig

Die Verbraucher in Deutschland können demnächst direkt an der Kasse Geld spenden. Möglich macht das eine
Initiative mehrerer Einzelhändler.

Der Konkurrenzkampf im Einzelhandel ist nirgends so hart wie in Deutschland. Erbitterte Preiskämpfe bestimmen das tägliche Gegeneinander. Nun aber rauft sich die Branche zusammen – für einen guten Zweck. "Deutschland rundet auf" heißt eine Initiative, der sich bislang 13 Handelsunternehmen angeschlossen haben. Von ihren Kunden sammeln sie künftig an der Kasse kleine Cent-Beträge ein, mit denen soziale Projekte in Deutschland unterstützt werden. "Mit wenig Aufwand und Beträgen, die keinem wehtun, kann eine große Wirkung erzielt werden", sagt Christian Vater, Gründer und Geschäftsführer der Initiative.

Das Prinzip ist einfach: Werden bei einem Einkauf beispielsweise 12,78 Euro fällig, rundet das Kassensystem den Betrag automatisch auf 12,80 Euro auf – wenn der Kunde das will. Dazu muss er ausdrücklich sagen: Aufrunden bitte. "Die Kunden sollen nicht genervt oder in Zugzwang gebracht werden", sagt Vater. Auf dem Kassenbon wird die Spende, die an die Stiftung "Deutschland rundet auf" geht, extra ausgewiesen. Der Beleg kann sogar beim Finanzamt eingereicht werden, die Behörden sind bereits vorgewarnt. Start der  Spendenaktion, die auch vom Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt wird, ist der 1. März 2012. 

Bisher nehmen an dem privat initiierten Projekt teil: die Discounter Netto und Penny, die Textilhändler SinnLeffers, SportScheck und Kik, die Schuhanbieter Görtz und Reno, die Onlineshops Bonprix und Witt Weiden sowie die Douglas-Parfümerien, Toom Baumarkt, Depot und Dodenhof.

Zusammen kommen sie auf 11.000 Filialen mit 30.000 Kassen und über einer Milliarde Bezahlvorgängen pro Jahr. Weitere Partner könnten folgen. "Wir sind mit einer Vielzahl von Unternehmen im Gespräch", sagt Vater, der das Konzept kommende Woche auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin offiziell vorstellen wird. Dass die Händler bei der Teilnahme am Projekt "Deutschland rundet auf" auch etwas fürs eigene Image tun wollen, ficht Vater nicht an. Das Aufhübschen der Außenwahrnehmung hat aber auch seinen Preis. Zwischen 5000 und 99.000 Euro Lizenzgebühr müssen die Händler je nach Umsatzgröße bezahlen. "Das unterstreicht die Ernsthaftigkeit", meint der frühere Musik-Manager. Das Geld fließt dem Stiftungsgründer zufolge komplett in ausgewählte Projekte. Der  Verwaltungsaufwand werde allein durch die Lizenzgebühren gedeckt.

Betrugsversuche seien ausgeschlossen, so Vater: "Bei der klassischen Plexiglasdose wissen Sie nicht, was mit dem Geld passiert. Hier laufen die Buchungen über die Kassensysteme. Und die werden von Wirtschaftsprüfern gecheckt." Als weitere Kontrollinstanz hat die Stiftung ein Kuratorium installiert. Zu dem Gremium gehören unter anderem Simone Bagel-Trah, die Vorsitzende des Gesellschafterausschusses beim Dax-Konzern Henkel, der frühere ARD-Chef Fritz Pleitgen und der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth. Sie entscheiden auf Empfehlung eines Expertengremiums über die geförderten Projekte. Beworben haben sich bereits mehr als 100 Initiativen, ausgewählt wurden zum Start zunächst vier, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützen: die ELTERN-AG, Big Brothers Big Sisters, Hippy und Klasse 2000.

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