ELTERN-AG in der Presse 2011

An-Institut der Hochschule Magdeburg-Stendal auf Erfolgskurs. ELTERN-AG: Erziehungsworkshop

Treffpunkt Campus Ausgabe 58 vom 01.02.2011

Autorin Katrin Königl

Respekt vor dem Kind, Gewaltfreiheit und Förderung: Diese Erziehungsgrundsätze sollten heute Standard sein. Die Realität sieht jedoch anders aus. Viele Eltern sind damit überfordert, ihrem Kind klare Regeln aufzuzeigen und dabei die Nerven zu behalten, ohne gewalttätig zu werden. Oft werden Arbeitslosigkeit, Immigration oder eine selbst erfahrene schwere Kindheit als Gründe dafür genannt. Viele Sozialstudien belegen, dass die Herkunft über die Zukunft entscheidet. Deshalb ist es wichtig, diesen Kreislauf so früh wie möglich zu durchbrechen. Je eher dies geschieht, desto größer sind die Chancen für die Kinder. Hierfür wurde die Eltern-AG gegründet. Das Konzept: Den Kindern helfen, indem man zuerst den Eltern hilft.

Gerade in der frühen Kindheit werden häufig Erziehungsfehler gemacht, die später zu sozialen und beruflichen Problemen führen können. Über einen Zeitraum von 20 Wochen werden deshalb interessierte Eltern einmal wöchentlich von ausgebildeten Kursleitern angeleitet. Dabei werden neben Grundlagen der Kindererziehung auch Methoden zur Stressbewältigung vermittelt. Kostenlos versteht sich, denn es soll gerade die sozial Schwächeren erreichen. Obwohl das Projekt einfache Grundsätze vermittelt, ist es explizit wissenschaftlich ausgerichtet.

Ein besonderer Wert wird auf die aktive Mitgestaltung der Eltern gelegt. „Wir haben kein festgelegtes Programm. Die Eltern sagen, was sie interessiert und dementsprechend wird das Training gestaltet. Dies geschieht nach dem Grundprinzip Learning by doing“, erklärt Prof. Dr. Meinrad Armbruster. Er ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Professor für pädagogische Psychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Das Programm wurde von ihm entwickelt und zwischen 2002 und 2004 an der Hochschule getestet. 2004 startete dann das Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitforschung in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit und Soziales und dem Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt.

Den Erfolg dieses präventiven Konzeptes kann man an den zahlreichen Auszeichnungen erkennen. Seit 2005 konnten jedes Jahr Preise nach Magdeburg geholt werden. 2008 wurde Professor Armbruster in einem mehrstufigen Verfahren zum Ashoka-Fellow gewählt. Ashoka unterstützt weltweit Sozialunternehmer, die innovative unternehmerische Lösungen für drängende soziale Probleme finden und umsetzen. Im April 2010 wurde die Eltern-AG im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „365 Jahre im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Im September 2010 wurde sie bei dem EU-Wettbewerb „This is European Social Innovation“ als einziges deutsches Projekt unter die besten zehn in Europa gewählt. Im Wettbewerb der Schwab Foundation wurde es im November 2010 Finalist in der Kategorie „Social Entrepreneur des Jahres“.

Da die TeilnehmerInnen sehr zufrieden mit dem Programm sind und dies auch an Bekannte weitertragen, steigt die Nachfrage stetig. „Die Eltern-AG ist bereits in mehreren Bundesländern umgesetzt worden. Dazu gehören Schleswig-Holstein, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Unser Ziel ist es, bis 2016 in allen Bundesländern vertreten zu sein“, meint Prof. Dr. Armbruster. Der aktuelle Erfolgskurs lässt an der Realisierung dieses Vorhabens keine Zweifel.

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