Spielmobil

Eine Beschreibung aus Kindersicht: Wie Metin (6) die ELTERN-AG sieht

10. Januar 2011

frontcover

Ich bin Metin, 6 Jahre alt, und das ist die Geschichte von der ELTERN-AG.
Ich lebe mit meinen Eltern und drei jüngeren Geschwistern in einer winzigen Wohnung in einem sehr großen, hohen Haus. Da wohnen noch ganz viele andere Leute drin. Meine Eltern sind meine Helden, denn sie schaffen es meistens, uns alle satt zu kriegen. Oft mache ich mir große Sorgen. Dann kann ich nachts nicht schlafen. Meine Eltern sind auch oft sehr müde und traurig, weil sie kein Geld und keine Arbeit haben. Sie wissen manchmal nicht, wie sie uns groß ziehen sollen. Dann streiten sie und schreien mich und meine Geschwister an – und trinken und rauchen zuviel. Ich weiß, dass auch meine Großeltern immer mit meinen Eltern geschimpft haben und sie es gar nicht anders kennen.

Vor einiger Zeit ist bei uns was Sonderbares passiert. Da kamen zwei freundliche Leute in den Kindergarten. Die haben unsere Eltern eingeladen und gesagt, auch wir Kinder dürften mitkommen. Einmal ist keinmal, sagten meine Eltern. Wir fanden einen bunt geschmückten Raum mit noch mehr Erwachsenen und Kindern und es roch nach warmem Kuchen. Das ist die ELTERN-AG, sagten die netten Gastgeber. Für uns Kinder war sogar ein extra Zimmer zum Spielen da. Seit dem Tag gehen meine Eltern jede Woche einmal zur ELTERN-AG und reden dort mit anderen Eltern darüber, wie sie es besser haben können. Und wir dürfen mit, wenn wir wollen.

Seither merke ich, dass sich bei uns zuhause von Mal zu Mal was ändert. Meine Eltern streiten nicht mehr so viel und unternehmen mehr mit uns Kindern. Sie erklären uns die Dinge und sagen, die Schule ist wichtig, obwohl sie immer über die Lehrer geschimpft haben. Wir kochen öfter zusammen und sitzen alle beim Essen am Tisch und erzählen dann. Meine Eltern haben jetzt Freunde in der ELTERN-AG, die zu uns nach Hause kommen oder die wir besuchen. Das Tollste aber ist, dass Mami seit kurzem arbeitet und Papi eine Umschulung machen und besser Deutsch lernen will. Durch die ELTERN-AG haben sie richtig gute Ratgeber kennen gelernt. Denen kann man echt vertrauen, sagen meine Eltern. Wir haben jetzt mehr Geld und irgendwie ist alles besser geworden.

Als ich Mami einmal bei der Gute-Nacht-Geschichte – auch das ist neu bei uns – danach fragte, erzählte sie was von inneren Kräften, die in der ELTERN-AG geweckt würden, die sie Ressourcen nennen. Die helfen, dass man wieder lachen kann, sich was zutraut, lernt und alles leichter anpackt. Die sagen Empowerment dazu. Hab ich nicht verstanden, aber es wirkt – hundertprozentig!

Irgendwann habe ich mich getraut, die zwei Leute, die uns eingeladen hatten, zu fragen, was sie bei den Treffen in der ELTERN-AG so machen und ob sie schon viele Eltern empowert hätten. Die Mentoren, so heißen die zwei Leute, lachten: Ja, sie empowern Eltern schon seit sechs Jahren, in allen möglichen Häusern und Stadtvierteln, überall im Land. Dafür haben sie sogar schon viele Preise gewonnen. Ihre Künste haben sie in einer Schule namens MAPP gelernt. Auch helfen ihnen die Eltern selbst, die sagen, durch was sie gut empowert werden. Die Mentoren erzählten mir, dass sie immer aufpassen müssen, dass sie den Eltern ganz vorsichtig die Geschichte mit den Ressourcen erklären, sonst bekommen die nämlich Angst und laufen davon. Mittlerweile fragen immer mehr Bürgermeister, die sich um die Kinder in ihrer Stadt sorgen, ob die Mentoren auch zu ihnen kommen können. Die MAPP bildet dann dort tüchtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ELTERN-AG-Mentoren aus.

Zum Schluss erzählten mir die Mentoren noch, dass die 20 Treffen der ELTERN-AG bei uns bald um sind. Jetzt können sich alle Eltern selber helfen. Meine Eltern jedenfalls haben in der ELTERN-AG viele Freunde gefunden, mit denen sie sich weiter jede Woche treffen wollen. Und dann sagten sie, dass sie jetzt zu anderen Kindern in anderen Ländern gingen. Dort gibt es ganz viele Eltern, die empowert werden müssen, damit auch diese Kinder wieder mit ihren Eltern lachen können.